Die Wehrburg Trongsa Dzong. Foto: Christian Schicklgruber |
Der Wunsch nach Erhaltung und Revitalisierung vom Verfall bedrohter Burgen und Schlösser hat in
Österreich in den sechziger und siebziger Jahren des 20. Jahrhundert zahlreiche Schlossmuseen
hervorgebracht, von denen Schloss Matzen, die Kartause Gaming und Schloss Scharnstein längere
Zeit als erfolgreiche Außenstellen des Museums für Völkerkunde Wien dienten. Jetzt
hat diese Idee das ferne Bhutan erreicht - und wieder ist das Museum für Völkerkunde mit dabei.
Es geht um die Mönchsburg Trongsa Dzong, 200 Kilometer östlich der Hauptstadt Thimphu, genauer gesagt um den oberhalb davon gelegenen Wachturm Taa Dzong. Festungen wie diese waren in der Geschichte des Landes zentrale Orte der politischen und religiösen Macht und prägen bis heute die Identität Bhutans. Ihre kostspielige Erhaltung erfordert freilich eine neue wirtschaftliche Basis sowie fachkundige Unterstützung. Diesem Ziel dient ein Gemeinschaftsprojekt der königlich-bhutanischen und der österreichischen Regierung, das aus dem alten Wachturm von Trongsa Dzong bis zum Jahr 2008 einen touristisch attraktiven Ort der lebendigen Erinnerung machen soll. Als österreichischer Experte wurde der Kustos der Abteilung Süd- und Südostasien und Himalayaländer des Museums für Völkerkunde Wien, Dr. Christian Schicklgruber, verpflichtet, der im Herbst 2005 gemeinsam mit den Mönchen von Trongsa Dzong Objekte aus dem klösterlichen Bestand für die geplante Schaustellung im renovierten Wachturm auswählte. Darunter finden sich spektakuläre Gegenstände wie die Rabenkrone mit dem Gott Mahakala, in der sich die enge Verbindung von Religion und Politik in Bhutan verkörpert, aber auch Tonfiguren, die bis heute Teil des lebendigen Kults sind. Letztere werden im Interesse der Mönche durch Nachbildungen ersetzt, die nach ihrer Weihe weiter der ursprünglichen religiösen Bestimmung dienen sollen - wie dies ähnlich während der Renaissance auch in Europa geschah. Darüber hinaus wird die Ausstellung im Taa Dzong auch einen aktiven Gebetsraum in der Hoffnung auf eine friedliche Koexistenz zwischen kontemplierenden Lamas und staunenden Touristen in die Präsentation einbeziehen - Museum und Tempel im Kombipack, aus Sicht der buddhistischen Praxis kein Problem. Seitenanfang |
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