Thomas Ender, Ansicht von Rio de Janeiro, 1837. © Akademie der bildenden Künste Wien, Gemäldegalerie |
Kurz nachdem das Museum für Völkerkunde Wien seine Pforten bis März 2008 wieder schließt, eröffnet die Kunsthalle Krems am 15. September eine Brasilien-Ausstellung in der auch über 70 Exponate der weltberühmten Sammlung des Zoologen Johann Natterer zu sehen sein werden, die er auf der österreichischen Brasilien-Expedition zwischen 1817 und 1836 zusammentrug.
Eingebettet sind die ethnographischen Objekte in Meisterwerke der brasilianischen Malerei des 19. Jahrhunderts aus dem Museu Nacional de Belas Artes, Rio de Janeiro sowie der Pinacoteca do Estado de São Paulo und anderen brasilianischen Sammlungen, die erstmals in Europa zu sehen sind. Monumentale Bilder von Almeida Júnior, Pedro Weingärtner und anderen zeigen die Geschichte Brasiliens - vom Schicksal der indigenen Bevölkerung zur Christianisierung, vom Dschungel zu den Metropolen. Die Reisebilder des Thomas Ender und zahlreiche botanische und zoologische Exponate, die ebenfalls von der österreichischen Brasilienexpedition stammen, stehen für die besondere Verbindung Österreichs zum Brasilien des 19. Jahrhunderts und runden die mehr als 200 Exponate zählende Ausstellung ab. Die einzigartige Schau gibt einen Überblick über das Themenspektrum der brasilianischen Malerei im 19. Jahrhundert. Die landschaftliche Vielfalt, bestimmend für das brasilianische Selbstbild und das entstehende Nationalgefühl, ist Thema zahlreicher monumentaler Bilder einer vorwiegend ausländischen Malergeneration der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Realistische Darstellungen des sozialen Lebens stammen von Künstlern wie dem Engländer Henry Chamberlain und dem Bayern Johann Moritz Rugendas, dessen zahlreiche Studien des Sklavenlebens Teil der Ausstellung sind. Auch andere Hauptwerke thematisieren das kulturelle und historische Erbe Brasiliens. So schufen brasilianische Künstler wie José Maria de Medeiros und Rodolfo Amoedo ein idealisiertes Indianerbild als romantische Allegorie auf die Entstehung Brasiliens. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts traten naturalistische Darstellungen des brasilianischen Lebens in den Vordergrund. Diese Milieustudien von Künstlern wie Almeida Júnior und Pedro Weingärtner geben ein eindrucksvolles Zeugnis vom täglichen Leben der jungen brasilianischen Nation. Sie legten besonderen Wert darauf, das jeweils "Typische" der verschiedenen Milieus darzustellen. Die Unterschiede zwischen den aufstrebenden urbanen Regionen und den ländlichen Gebieten, deren Lebenskultur bereits im Verschwinden begriffen war, kommen mit starkem Kontrast in zahlreichen Werken zum Ausdruck. Bildliche Darstellungen von Indianern finden sich im 19. Jahrhundert in Zeichnungen und Gemälden der Künstler, die wissenschaftliche Expeditionen begleiteten. Bei ihnen zeigt sich das Bestreben nach realistischer Darstellung, wobei besonders die Arbeiten von Johann Moritz Rugendas und Jean-Baptiste Debret hervorzuheben sind, die dadurch zu wichtigen historischen Dokumenten geworden sind. Viele europäische Künstler waren jedoch mehr von der exotischen Landschaft fasziniert und bei ihnen finden sich nur selten Darstellungen der indianischen Bevölkerung. Dort wo Indianer das zentrale Bildthema sind werden sie in einer romantisierenden Weise dargestellt. Die ethnographischen Objekte von den Munduruku, Tukano und Bororo bilden somit einen Kontrast zu den bildlichen Darstellungen und ermöglichen den Einblick in eine Lebenswelt, die vielen Brasilien-Reisenden des 19. Jahrhunderts verschlossen blieb. Brasilien Von Österreich zur Neuen Welt Kunsthalle Krems, Franz-Zeller-Platz 3, 3500 Krems 16. September 2007-17. Februar 2008, tägl. 10-18 Uhr, ab 5. November 2007, 10-17 Uhr Eröffnung: 15. September 2007, 16.00 Uhr Weitere Informationen unter www.kunsthalle.at Eine Exkursion des Vereins Freunde der Völkerkunde zu dieser Ausstellung mit Führung durch die Kuratorin, Dr. Claudia Augustat, findet am Samstag, 29. September 2007, statt (siehe das Veranstaltungsprogramm). Seitenanfang |
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