Gelungener Neustart in Guyana: Claudia Augustat (Mitte) und Susanne Pink (3. v.l.) mit Vertretern des guyanesischen Kulturministeriums und des Walter Roth Museums, Oktober 2009 |
1974 wurde das Walter Roth Museum als erstes Museum für Ethnologie im karibischen Raum in Georgetown, der Hauptstadt Guyanas, gegründet. In ihm wurden alle archäologischen und ethnographischen Sammlungen der indigenen Gruppen Guyanas zusammengefasst, darunter auch die seines Namensgebers. Der gebürtige Engländer Walter Roth (1861–1933) war Biologe und Mediziner und entdeckte sein ethnographisches Interesse während eines mehrjährigen Aufenthalts in Australien, wo er sich für den Schutz der Aborigines einsetzte und ihre Kultur dokumentierte.
1915 ging er als Verwaltungsbeamter in das damalige British Guyana, wo er sein Interesse vor allem der materiellen Kultur der indigenen Kulturen widmete. 1924 erschien sein Buch An Introductory Study of the Arts, Crafts, and Customs of the Guiana Indians, das bis heute ein Standardwerk ist. 1928 wurde er der erste Kurator des Museum of the Royal Agricultural and Commercial Society in Georgetown, einer Vorläuferinstitution des National Museum of Guyana. Heute zeigt das Walter Roth Museum auf zwei Stockwerken eine Schausammlung, die den Besucher in die Geschichte und Kultur der neun indigenen Gruppen einführt, die noch in Guyana existieren. Seine Sammlungen sind für das Museum für Völkerkunde Wien von besonderem Interesse, das selbst über eine umfangreiche Sammlung aus Guyana aus dem 19. Jahrhundert verfügt. Claudia Augustat, die Leiterin der Südamerika-Sammlung unseres Hauses, konnte 2005 und 2008 erste Kontakte mit den Kollegen am Walter Roth Museum knüpfen, wo ihr Interesse an einem Wissensaustausch auf offene Ohren stieß. Durch das Engagement der österreichischen Botschaft für Guyana mit Sitz in Caracas und dem österreichischen Honorarkonsul Ben ter Welle in Georgetown und der Unterstützung des guyanesischen Kulturministeriums konnte im Juni 2009 ein Memorandum of Understanding zwischen den beiden Museen unterzeichnet werden. Bereits im Oktober konnte Frau Augustat in Begleitung unserer Restauratorin Susanne Pink auf Einladung der österreichischen Botschaft zu einer ersten Bestandsaufnahme nach Georgetown reisen. Auf Wunsch des guyanesischen Kulturministeriums wurden dabei auch das National Museum of Guyana und das Museum of African Heritage mit einbezogen. Eine erste Bilanz zeigt, dass es einen großen Beratungsbedarf im Hinblick auf konservatorische Aufgaben gibt. Das tropische Klima stellt unsere Kollegen in Guyana vor große Herausforderungen. Insbesondere dem Depot des Walter Roth Museums mangelt es an einer Infrastruktur, die Objekte adäquat aufzubewahren. Susanne Pink entwickelte gemeinsam mit dem Magazinverwalter Michael McKenzie ein Konzept, das 2010 umgesetzt werden soll. Auch Planungen für Restaurierungsworkshops laufen bereits an. Ein großer Wunsch des guyanesischen Kulturministeriums bleibt eine Präsentation der ethnographischen Sammlungen der deutschen Brüder Rudolf und Richard Schomburgk, die zwischen 1836 und 1844 wesentlich zur Erforschung des Landes beitrugen, in Guyana. Die Sammlungen sind heute vor allem auf Museen in England und Deutschland verteilt, aber ein kleiner Bestand befindet sich auch im Museum für Völkerkunde Wien. Wir hoffen, dass es uns 2011 gelingen wird, eine kleine Auswahl von Exponaten in Georgetown zu zeigen. Ob sich auch eine umfangreichere Ausstellung realisieren lässt, wird sich in der Zukunft zeigen. Seitenanfang |
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