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Pressemeldungen im Herbst 2009 haben von einem möglichen Zusammengehen des Museums für Völkerkunde Wien und des Österreichischen Museums für Volkskunde berichtet und dabei allerlei Details aus einem vertraulichen Fusionskonzept zitiert. An dieser Stelle kann lediglich festgehalten werden, dass es zwischen den beiden Museen tatsächlich Gespräche gegeben hat, in denen volle Übereinstimmung im Hinblick auf die Nützlichkeit eines solchen Schritts erzielt wurde. Grundlage für derartige Erwägungen ist die Einsicht, dass in einem Zeitalter rascher Globalisierung die getrennte Betrachtung außereuropäischer und europäischer Gesellschaften und ihrer Kulturen für ein besseres Verständnis unserer Welt wenig hilfreich ist. Zwar war die Welt immer schon eine von der gesamten Menschheit gemeinsam mitgestaltete Einheit, doch haben in den letzten Jahrzehnten die großen Migrationsströme verbunden mit einem bislang beispiellosen Anwachsen des Austauschs von Information, Wissen und Waren die einst an den Rändern unserer Gesellschaft gelegenen Grenzen zwischen unterschiedlichen Lebensentwürfen in das Zentrum unserer Alltagserfahrung verschoben. Dringlicher denn je stellt sich die Frage nach Ursachen und Bedeutung der kulturellen Vielfalt, ohne deren Verständnis sich ein Zusammenleben in einer „geschrumpften“ Welt zunehmend schwierig gestaltet. Darüber hinaus ist es an der Zeit zu begreifen, dass die kulturelle Vielfalt unserer Welt nicht nur eine enorme Bereicherung für uns alle ist, sondern auch dass ihre Erhaltung – genau so wie die der natürlichen Artenvielfalt – eine notwendige Voraussetzung für das Überleben der Welt darstellt. Der gemeinsame Wissensschatz der Kulturanthropologie (zu der sich heute die früher auf getrennten Wegen marschierenden Fächer Völkerkunde und Volkskunde bekennen) bietet die Grundlage für die Antwort auf viele Fragen unserer Zeit – im Rahmen eines Museums mit seinen historischen Sammlungsbeständen immer auch aus historischer Sicht. Wir alle sind Erben einer Geschichte, die durch die Praxis des Kolonialismus ebenso geprägt wurde wie durch die Ideen von „Volkstum“, Nationalstaatlichkeit und der eigenen zivilisatorischen Überlegenheit. Ein neues, gemeinsames Museum kann dazu beitragen, diese Vergangenheit grenzüberschreitend und zukunftsorientiert aufzuarbeiten, ohne dabei die anhaltende Wichtigkeit von Unterschieden für die Erhaltung der Vielfalt zu leugnen. Ein neues Museum bietet natürlich auch die Chance, die über die Jahrhunderte gesammelten einzigartigen Kulturdokumente der „Sammlung Österreich“ in einer zeitgemäßen Form allgemein zugänglich zu machen und die mit ihnen verbundenen Inhalte in innovativer Form zu vermitteln. Das gemeinsame Bekenntnis zu diesen Zielsetzungen ist die mögliche Grundlage für ein spannendes und für die Gesellschaft nützliches Projekt, das allerdings auch gewisser organisatorischer Veränderungen und – im internationalen Vergleich relativ bescheidener – finanzieller Voraussetzungen bedarf. Während die inhaltlichen Aspekte von den beiden Museen allein formuliert werden konnten, bedarf es zu ihrer Umsetzung auch einer politischen Willensbildung, die wir nur durch Überzeugungsarbeit fördern können. Wir hoffen dabei ganz besonders auf die Mitglieder der beiden Museumsvereine, die unsere Arbeit aus nächster Nähe beobachten können und daher auch unsere besten Botschafter in der Öffentlichkeit sind. Seitenanfang |
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