Adolphus Opara:Hochzeit von Tola Olateru Olagbegi und Segun Akerele, Christ Apostolic Cathedral, Lagos. Foto: aus der Serie Èko for Show 2009 Rahmenprogramm als PDF herunterladen (ca. 1,7 MB) |
Lace (Spitzen) sind eigentlich industrielle Stickereien, die seit dem späten 19. Jahrhundert in der Schweiz (St. Gallen) und Österreich (Lustenau) hergestellt werden. Seit den frühen 1960er Jahren werden besondere Designs und Qualitäten für den westafrikanischen Markt produziert. Auf ihrer Suche nach neuen Absatzmärkten gelangten österreichische Stickereifabrikanten in das gerade unabhängig gewordene Land Nigeria und begannen Geschäftsbeziehungen mit lokalen Textilhändlern, die zu einem regen Austausch von Ideen führten. Ergebnis dieser interkontinentalen Auseinandersetzung war die Entwicklung eines spezifischen Textilprodukts, das inzwischen das nigerianische Image weltweit kennzeichnet und ein faszinierendes Beispiel für globale Verflechtungen und Prozesse darstellt: Aus Asien importiertes Rohmaterial (Faden und Grundstoff) wird auf in der Schweiz produzierten Maschinen, die von türkischen Facharbeitern bedient werden, in Vorarlberg zu feinen Luxusstoffen verarbeitet, die eine wichtige Rolle im nigerianischen „Nationalkostüm” spielen. African Lace befasst sich erstmals mit diesem rezenten Kapitel einer über die Jahrhunderte andauernden Handelsgeschichte zwischen Europa und Afrika, rekonstruiert die Entstehung der opulenten Stickereistoffe und erkundet die kulturelle und gesellschaftliche Bedeutung der Textilien in Nigeria. Außerdem gibt die Ausstellung einen Überblick über die Entwicklung der Kleidungstraditionen in Südwestnigeria, eine Stilchronologie der nigerianischen Lace-Mode seit den siebziger Jahren sowie einen Einblick in das lebhafte Gesellschaftsleben und die pulsierende Modeszene in Lagos. Sie schneidet aber auch gesellschaftspolitische Fragen an, die mit der postkolonialen Geschichte Nigerias verknüpft sind. Eine Serie von Porträt-Fotografien der 1960er und 1970er Jahre des bekannten nigerianischen Künstlers Okhai Ojeikere und eine weitere des Lagoser Fotografen Adolphus Opara zur gegenwärtigen Partykultur und der Präsentation der Textilien im Handel fangen diesen Bereich der Gegenwartskultur, der über nationale Grenzen hinweg Menschen, Ideen und Kreativität durch Handel verbindet, bildlich ein. Darüber hinaus setzt die Installation der in Wien lebenden Künstlerin Sascha Reichstein das Thema in den weiteren Kontext der Globalisierung, indem sie den in Österreich für den nigerianischen Markt hergestellten Stickereien bestickte Lederhosen gegenüberstellt, die wiederum in Sri Lanka für Österreich und Bayern gefertigt werden. Einen besonderen Höhepunkt der Ausstellung bieten aus Stickereistoffen geschneiderte Modelle von vier bekannten nigerianischen Modedesignern – Tiffany Amber (Folake Folarin-Coker), Ituen Basi, Vivid Imagination (Mekwuye Godwin) und House of Bunor (Frank Oshodi). Die Ausstellung African Lace entwirft somit ein Gegenbild zu gängigen Vorstellungen über Nigeria, indem sie von Kreativität, Lebensfreude, Luxus und der Lust am gemeinsamen Feiern erzählt, und korrigiert mit Vorurteilen belastete Zuschreibungen im Kontext der Ausländerfeindlichkeit, indem sie Nigerianer und Nigerianerinnen als wichtige Geschäftspartner und Kunden porträtiert, von denen ein traditionsreicher Industriezweig Österreichs lebt. Museum für Völkerkunde Wien Eine Ausstellung des Museums für Völkerkunde Wien in Kooperation mit der National Commission for Museums and Monuments of Nigeria und mit Unterstützung der österreichischen Stickerei-Wirtschaft Zur Ausstellung gibt es ein umfangreiches Rahmenprogramm. Dieses können Sie gerne hier als PDF herunterladen (ca. 1,7 MB). Seitenanfang |
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