Auch Objekte der Kolonialkultur sind in der Sammlung von Johann Natterer vertreten. Foto: Fotoatelier KHM |
JOHANN NATTERER und die ethnographischen Sammlungen der österreichischen Brasilienexpedition 1817 bis 1835 Anlässlich der Vermählung der Erzherzogin Leopoldine mit dem portugiesischen Thronfolger Dom Pedro im Jahre 1817 entsandte der österreichische Hof eine naturkundliche Expedition nach Brasilien. Da Portugal bis zur Übersiedlung des Hofes nach Rio de Janeiro im Jahre 1808 eine restriktive Zugangspolitik betrieben hatte, war Brasilien in Europa weitgehend eine terra incognita. Nun öffnete sich das Land und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts fanden zahlreiche europäische Expeditionen statt, die das Land, seine Menschen, Flora und Fauna wissenschaftlich erschlossen. Obwohl die ethnographischen Sammlungen der österreichischen Brasilienexpediton mit über 2400 Objekten weltweit zu den bedeutendsten ihrer Art zählen, sind sie dem Publikum und der Fachwelt weitgehend unbekannt. Die Ausstellung Jenseits von Brasilien präsentiert erstmals eine umfassende Schau der Exponate und erzählt die Geschichte, wie sie ihren Weg von der neuen Welt nach Österreich fanden. Doch die Ausstellung bietet weit mehr als eine Nacherzählung historischer Ereignisse. Sie folgt der Spur Johann Natterers von Rio de Janeiro bis nach Belem durch Raum und Zeit. Dabei werden die Sammlungsbestände in unterschiedlichen Kontexte präsentiert, die eine kulturgeschichtliche Einordnung erlauben, aber auch durch die Einbindung in aktuelle Forschungsthemen wie z.B. Globalisierung, Vernichtung kultureller Vielfalt, Erinnerungskultur und Kulturwandel eine Brücke in die Gegenwart schlagen. Im Zentrum stehen die indianischen Kulturen und ihre unterschiedlichen Lebenssituationen im Brasilien des frühen 19. Jahrhunderts. Über 70 ethnische Gruppen sind in der Sammlung vertreten und die Exponate spiegeln die Pracht und Vielfalt ihrer materiellen Kultur wider. Umfangreichere Bestände einzelner Gruppen werden spezifischen Kontexten wie z.B. Kulturwandel und soziale Beziehungen zugeordnet. Die häufig getätigte Aussage, dass viele dieser Kulturen heute nicht mehr existieren, wird kritisch hinterfragt und es wird der Frage nachgegangen, welche Bedeutung die Bestände für die Nachfahren ihrer Produzent in der Gegenwart haben. Welche Rolle können sie in Revitalisierungsbewegungen spielen und auf welche Weise tragen sie zur Formulierung einer eigenen Geschichte und Identität bei? Erstmals kommt es dabei zu einer engen Zusammenarbeit mit Vertretern einer indigenen Gruppe Brasiliens: Im März waren die Staré-Mawé Ranulfo de Oliveira und Obadias Batisata Garcia zu Gast im Museum, um ihre Sichtweise in die Ausstellung einfließen zu lassen. Eine Ausstellung des Museum für Völkerkunde Wien |
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