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Newsletter II/2005
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Beiträge:
Krisenbewältigung
Schöne Vögel, seltener Vogel
Ganz organisch
Regen auf dem Wasser
Voodoo in Wien
Ethnorätsel
Auflösung des letzten Rätsels
Veranstaltungsprogramm
Infos zu Vorträgen und Veranstaltungen
Impressum
Asaro-Schlammmensch, Komunive, Papua Neuguinea, 2003. Foto: John Marshall. Von Feinden attackiert, hatten sich einst die Asaro in den schlammigen Fluss geflüchtet, aus dem sie in Gestalt schreckerregender Totengeister wieder auftauchten.
Viele Rituale, in denen bedrohliche Wesen den Menschen entgegentreten, dienen der Bewältigung von Lebens- oder Existenzkrisen. Angesichts der schrecklichen Folgen der Katastrophenflut in Südostasien stoßen sie an die Grenzen ihrer Wirksamkeit. Einen Beitrag zur Linderung, wenn schon nicht Abhilfe, erhoffen wir uns auch von der Benefizgala im Wiener Rathaus am 29. April 2005, zu der das Museum für Völkerkunde Wien gemeinsam mit anderen Organisationen einlädt. Als Beitrag zur Information über die betroffenen Länder widmet sich unser Quartalsprogramm weitgehend dem Thema "Tsunami: Mensch und Natur".

Tonganischer Kopfschmuck im Museum für Völkerkunde Wien
Mit der Überschrift "schöne indianische Vögel" kündigte in Jahr 1784 eine Anzeige in der Wiener Zeitung dem "geehrten Publiko" eine Ausstellung in der Mehlgrube am Neuen Markt an, in der ein englischer Händler Naturalien und Ethnographica zum Verkauf feilbot, die auf der dritten Weltreise James Cooks (1776-1780) angelegt worden waren. Die Ausstellung fand regen Zuspruch, und wahrscheinlich fanden sich auch Käufer für einige der gezeigten "Seltenheiten".
1877 wurde auf dem Dachboden des Unteren Belvedere eine federverzierte Kopfbedeckung gefunden, die offenbar aus dem polynesischen Tonga stammte. Wie sie aus der Südsee in die Kaiserstadt gelangt war, ist bis heute ungeklärt. Eine ähnliche Prachthaube zeigt eine Abbildung im Cookschen Reisewerk als Kopfschmuck des tonganischen Königs Poulaho, und so lag der Verdacht nahe, das Stück stamme ebenfalls von den Reisen des berühmten Kapitäns. Das herrenlose und stark beschädigte Stück wird heute im Museum für Völkerkunde Wien aufbewahrt.
Storrs Olson, ein Vogelforscher der Smithsonian Institution in Washington, geriet kürzlich beim Anblick eines Fotos dieses Kopfschmucks in helle Verzückung. Die auf ihm verarbeiteten Federn könnten dazu beitragen, eine ornithologische Streitfrage zu lösen: War der schon lange ausgestorbene grüne Papagai der Gattung Eclectus auf Tonga eine eigene Spezies? Dem Augenschein nach zu schließen: ja. Eine DNS-Untersuchung soll letzte Gewissheit bringen. Im Vorübergehen entdeckte Olson auf dem Häuptlingshut noch die Federn einer anderen ausgestorbenen Vogelart, die bisher nur aus archäologischen Funden bekannt war.
Sollten sich die Vermutungen bestätigen, so würden sie nicht nur die Herkunft des Kopfschmucks aus Tonga bestätigen, sondern auch sein hohes Alter und damit wahrscheinlich die Herkunft von den Cookschen Reisen.

Neu am Museum für Völkerkunde Wien: Christiane Jordan
Seit 3. Januar 2005 wird die Mannschaft des Museums für Völkerkunde durch eine weitere Frau verstärkt. Christiane Jordan, bald schon Absolventin der Akademie der bildenden Künste in Wien, wird als Objektrestauratorin vor allem für die Konservierung und Restaurierung organischer Materialien zuständig sein (also unter anderem für Federn). Sie bringt mit sich reiche Auslandserfahrung an Museen in Deutschland, den USA und Kanada und zehn Jahre praktische Restaurierungstätigkeit.
Zu ihren für uns wertvollen Spezialinteressen zählt auch die Frage der kulturellen Aspekte der Ethik beim restauratorischen Umgang mit Werken anderer Kulturen.
Über Mangel an Arbeit wird sie sich bei uns nicht beklagen können. Wir sind sicher, dass sie sich rasch und ganz organisch in unser Team einfügt.

Yang Fudong, "Honey", 2003, Courtesy the artist/ShangART Gallery, Shanghai
"Der Film ist wie das Leben. Manchmal ist er wie Regen auf dem Wasser, sehr schön und ruhig, mit unaufgeregten Wellen." Mit diesen Worten beschreibt der chinesische Künstler Yang Fudong, Jahrgang 1971, sein Lieblingsmedium, in dem er seine Sicht eines modernen, nicht verzopften Chinas festhält. In der Ausstellung "Yang Fudong. Don't worry, it will be better" (Kunsthalle Wien, bis 15. Mai 2005) zeigt er eine Auswahl seiner Videoinstallationen, Filme und Fotos, die ihren Reiz aus dem Spannungsverhältnis zwischen buddhistisch-konfuzianischer Verinnerlichung, maoistischem Pathos und kapitalistischer Geschäftigkeit beziehen. Poesie steht neben Burleske, Traditionsverbundenheit neben Entfremdung.

Voodoo© WestLicht/ Alberto Venzago
Die Fotos des Schweizer Fotografen Alberto Venzago (Fotogalerie Westlicht, Westbahnstraße 40, 1070 Wien; bis 8. April 2005) dokumentieren seine persönliche Auseinandersetzung mit der afrikanischen Voodoo-Religion (siehe unsere Veranstaltung am 3. April 2005).
Mit 61 Jahren bestieg er den Kilimandjaro, mit 62 das Empire State Building, mit 65 wurde er zum Honorarprofessor ernannt, mit 76 endlich zum ordentlichen Professor. Nachdem der Innensenator einen Antrag des dreiundachtzigjährigen Gelehrten auf Zuerkennung eines Ruhegehalts abschlägig beschieden hatte, blieb er als Universitätslehrer aktiv, bis ihn der Tod im fünfundachtzigsten Lebensjahr ereilte. Seine um einundzwanzig Jahre jüngere zweite Frau und Mitarbeiterin (der ersten verdankte er wenig mehr als drei Monate Haft wegen Verdachts der Falschaussage) übertraf ihn freilich an Langlebigkeit noch um fünf Jahre.
Geboren in Wien, begann der promovierte Jurist seine berufliche Laufbahn in Bosnien, wo er die alteingesessenen Handwerksund Handelsbetriebe untersuchte. Aber schon bald wurde er in einer Provinzhauptstadt Privatschüler des Mannes, der als Autor des ersten deutschsprachigen Buchs gilt, in dessen Titel das Wort "Soziologie" vorkommt. Der Lehrer stammte aus derselben mittelalterlichen Universitätsstadt wie jener andere Ethnologe, der gemeinsam mit unserem Gelehrten als einer der Gründer des Funktionalismus gilt. Mit diesem Kollegen, der ihn später als "lieben Freund" und "führenden deutschen Anthropologen" bezeichnen sollte, teilt er auch die unabhängige Entdeckung der Institution der "Geistkinder", die vom Sippenfreund des Schwiegervaters und der Braut in der "Geisterhalle" gezeugt werden.
Zum Ethnologen wurde der Vorkämpfer der Anti-Alkohol-Bewegung erst in Berlin, wohin ihn ein Studienfreund vermittelt hatte, der als Arzt durch seinen selbstlosen Einsatz bei der Bekämpfung eines unerwarteten Pestausbruchs populär geworden war, und der bald darauf (aber lange vor Erfindung des Tonfilms) durch synchrone Aufnahmen mit Filmkamera und Phonographen im südlichen Afrika die Voraussetzungen für den ältesten ethnologischen Tonfilm schuf. In einer deutschen Kolonie entfaltete der Gelehrte eine rege Forschungstätigkeit, gegen deren Ende der Erfinder des Ausdrucks "Wildbeuter" stöhnte: "Ich fange an, die Sache über zu kriegen mit den wilden Kerls. Es ist ja so bald auch die Verständigungsgrenze erreicht. Und über diese hinaus, müßte man lange an einem Platze bleiben. Die Sicherheit erfordert hier aber beständigen Ortswechsel." Immerhin wurde ein Gebirge am Oberlauf eines Flusses nach ihm benannt, an dessen Ufern jene Bevölkerung ansässig war, deren Sozialorganisation er in einer wichtigen monographischen Veröffentlichung darstellte - auf der Grundlage eines halbtägigen Feldaufenthalts und der ausführlichen Befragung eines Schlüsselinformanten.
Diese Studie erschien in erster Auflage ebenso in englischer Sprache wie seine Einführung in die Wirtschaftsethnologie, bei deren Fahnenkorrektur ihm die Autorin der ethnologischen Autobiographie Stranger and Friend (ihrerseits eine Schülerin des zitierten "Freunds" unseres Gelehrten) behilflich war, und wie sein Buch über Prozesse des Kulturwandels in Ostafrika. Seine deutschsprachigen Hauptwerke sind mehrbändig, sein Gesamtwerk umspannt die gesamte Breite von "Zur rassenbiologischen Bedeutung von Hammurabis Familien-Gesetzgebung" bis zu "Probleme der Fremdheit". Eine bis heute erscheinende wissenschaftliche Zeitschrift mußte er im Abstand von 25 Jahren gleich zweimal gründen.
Wer war dieser Wiener "führende deutsche Anthropologe" und
wer behauptete dies von ihm? Wer war der Pest-Arzt und
Tonfilmpionier? Und an welchem Fluß lebte das Volk, von dessen
"Geistkindern" unser Forscher berichtete, und an dessen Oberlauf
ein Bergzug nach ihm benannt wurde?
Auflösung in der nächsten Ausgabe. Einsendungen mit richtigen Lösungen werden nicht prämiert.
Auflösung des Rätsels im Newsletter I/2005:
Der Erzherzog, auf dessen Initiative die Weltumseglung der Fregatte "Novara" zurückging, war der spätere Kaiser Maximilian von Mexiko, dessen sterbliche Überreste die "Novara" nach dem raschen Fall des Kaiserreichs in die Heimat zurückbrachte. Auf der "Novara" war der Geologe Ferdinand von Hochstetter zu den Maori auf Neuseeland gelangt. Sein hier vertieftes Interesse an fremden Kulturen ließ ihn als Gründungsintendant des Naturhistorischen Hofmuseums in Wien auch zum Gründer einer eigenen anthropologisch-ethnographischen Abteilung werden, aus der das heutige Museum für Völkerkunde in Wien hervorgangen ist.
Schwerpunkt: "Tsunami - Mensch und Natur"
Sonntag, 3. April 2005, 11.00 Uhr
voodoo. Mounted by the Gods
Veranstaltung in der Fotogalerie Westlicht. Schauplatz für Fotografie
Westbahnstrasse 40
A-1070 Wien
Alberto Venzago, Fotograf
Im Jahr 1988 lernte der Schweizer Reisefotograf Alberto Venzago auf einer Reise durch den westafrikanischen Staat Benin
den einflussreichen Voodoo-Priester Mahounon kennen. Von da an reiste er über einen Zeitraum von zehn Jahren regelmäßig
nach Benin, um, von Mahounon geleitet, immer weiter in die mysteriöse Welt des afrikanischen Voodoos vorzudringen.
Er gewann Einblicke in geheime Rituale, erhielt Zugang zu versteckten Orten und heiligen Zeremonien und wurde dabei Zeuge
von Mahounons Suche nach einem spirituellen Nachfolger.
Programm:
11.30: Führung durch den Künstler, Alberto Venzago
12.30: Filmvorführung (1 Stunde 30 Minuten) "Voodoo. Mounted by the Gods" produziert von Wim Wenders
Anschließend Kaffee und Gebäck
Eintritt: 9 € für Mitglieder des Vereins, 12 € für Gäste
Mittwoch, 13. April 2005, 18.30 Uhr
Vortrag
Sri Lanka vor und nach dem Tsunami
Dr. Ursula Waigand, Lektorin am Institut für Kultur- und Sozialanthropologie der Universität Wien
Die Wiener Ethnologin Dr. Ursula Waigand erlebte den Tag der Katastrophe an der Küste Sri Lankas. Eine Feldforschung zur Auswirkung
des Tourismus und des Kulturwandels stand plötzlich unter einem gänzlich anderen Licht. Die Vortragende wird
über ihr persönliches Erleben der Flut ebenso berichten wie über die möglichen Auswirkungen auf die
Tourismusentwicklung in Sri Lanka.
Mittwoch, 20. April 2005, 18.30 Uhr
Filmvorführung
"Meine verlorene Heimat"
Susi Andriani und Eko Fariadianto, Filmemacher aus Aceh
Zwei Filme von jeweils 25 Minuten zeigen Aceh vor und nach der Tsunami- Katastrophe. Die beiden Autoren aus Aceh informieren
über ihre Heimat und berichten über ihre Arbeit bei der Soforthilfe für die Flutopfer.
Nach der Veranstaltung werden Handarbeiten verkauft, deren Erlös für die Soforthilfe verwendet wird.
Freitag, 29. April 2005, 19.00 Uhr
Veranstaltung im Festsaal des Wiener Rathauses
Benefizgala der 5 Länder: Ein Stück des Weges gemeinsam
In Kooperation mit der Österreichisch-Indonesischen Gesellschaft, der Österreichisch-Indischen Gesellschaft,
der Sri Lankisch-Österreichischen Gesellschaft, der Österreichisch-Thailändischen Gesellschaft, dem
Museum für Völkerkunde Wien, dem UNESCO Projekt "Kultur des Friedens" und der Föderation für den
Weltfrieden wird im Festsaal des Wiener Rathauses ein Kulturabend zugunsten der Opfer des Tsunami veranstaltet.
Der Abend bietet verschiedene Musik- und Tanzaufführungen aus den betroffenen Ländern und ein Konzert mit Werken von
Franz Schubert mit Norman Shetler (Klavier), Natascha Korsakova (Violine), Robert Probitschka (Klavier) und M. Djiwa Jenie
(Klavier). Durch den Abend führt Frau Prof. Lotte Tobisch.
Im Anschluss bietet ein Buffet Köstlichkeiten aus verschiedenen Ländern der Region; der Erlös einer Tombola
kommt den Flutopfern zugute.
Eintritt: 15 €, Kinder 5 €
Mittwoch, 4. Mai 2005, 18.30 Uhr
Lichtbildervortrag in englischer Sprache
The Nicobar Islands - Past, Present and Future
Dr. Simron Jit Singh, Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung (Klagenfurt - Graz - Wien)
Das Institut für Soziale Ökologie hat einen Forschungsschwerpunkt in Südostasien. Eines der Projektgebiete ist die
Nikobaren-Inselgruppe im Indischen Ozean, wo Dr. Simron Jit Singh seit einigen Jahren arbeitet. Die Inselgruppe wurde durch die
Flutwelle besonders dramatisch betroffen. Nach Schätzungen ist fast die Hälfte der Bevölkerung umgekommen.
Die Nikobaren sind ein militärisches Sperrgebiet, zu dem internationale Hilfsorganisationen keinen Zutritt haben.
Die hauptsächlich indigene Bevölkerung steht nach der Katastrophe vor dem Nichts. Dr. Singh bereiste das Land im
Januar bis Februar 2005, um einen Eindruck über die Zerstörung des Landes und über die mögliche Hilfe zu verschaffen.
Mittwoch, 11. Mai 2005, 18.00 Uhr
Ethnographisches Kabinett*
Die Nikobaren
Dr. Heide Leigh-Theisen, Kuratorin i.R. für Insulares Südostasien
Die Nikobaren sind seit langem als militärisches Sperrgebiet nicht zugänglich und gelten daher beinahe als weißer
Fleck auf der ethnographischen Landkarte. Das Museum für Völkerkunde Wien besitzt jedoch eine umfangreiche Sammlung an
Ethnographika, die aus dem 19. Jahrhundert stammt. Diese Objekte erlauben einen Einblick in die traditionelle Kultur der Nikobaresen.
Mittwoch, 18 Mai 2005, 18.30 Uhr
Vortrag
Indigene Gesellschaften Südostasiens und Naturkatastrophen:
Wahrnehmung - Deutungen - Reaktionen - Bewältigung
Ass. Prof. Dr. Helmut Lukas, Österreichische Akademie der Wissenschaften
Der Vortrag wird die Wahrnehmung von Naturkatastrophen in ausgewählten indigenen Gesellschaften der vom Tsunami betroffenen
Gebiete thematisieren. Der Bogen spannt sich dabei von der Risikowahrnehmung vor der Katastrophe über die kognitive
Wahrnehmung und kulturelle Interpretation der dramatischen Vorgänge bis zu den Maßnahmen, mit denen indigene
Gesellschaften die Krisensituation nach der Katastrophe zu bewältigen versuchen.
Mittwoch, 25 Mai 2005, 18.30 Uhr
Vortrag
Nias - Land der Menschen
Dr. Reinhold Mittersakschmöller, Ethnologe, Wien
Die indonesische Insel Nias westlich von Sumatra wurde vor allem durch ihre monumentalen Steinsetzungen bekannt. Die
"megalithische" Kunst auf Nias verleitet zu Vergleichen, die sich bis heute in einem weitgehend kunsthistorisch abgegrenzten
Feld bewegen. Den Menschen und ihrem sozialen Umfeld wurde weniger Aufmerksamkeit zuteil.
Gibt es auf Nias eine "Megalithkultur" oder ist diese lediglich eine Projektion der Wissenschaft? Wie äußern sich
traditionelle und neue Strukturen im heutigen Leben der Niasser? Anhand eines persönlichen Erfahrungsberichts sollen
Erklärungsversuche geboten werden.

"Salawa Fossiario im noblen Ornat und seine beiden Söhne", Bawo Lowalangi, Nias, 1887. Foto: J. v. Brenner-Felsach.
Mittwoch, 1. Juni 2005, 18.30 Uhr
Vortrag
Der fotografische Nachlass von Brenner-Felsach
Dr. Margit Krpata, Ethnologin, Wien
Joachim von Brenner-Felsach (1859-1927) trat im Jahr 1885 eine dreijährige Weltreise an, von der Reisetagebücher, Fotografien
sowie das Fototagebuch im Archiv des Museums für Völkerkunde zeugen. Der Vortrag widmet sich insbesondere dem Aufenthalt
von Anfang Mai bis Ende Juni 1887 auf Nias. Im Norden der Insel wird der Tod eines Dorfvorstehers direkt mit dem Umstand, dass er
kurz zuvor von Brenner fotografiert wurde, in Zusammenhang gebracht.

Fluss des geliehenen Lebens. Das Totenfest bei den Ngaju Dayak
Mittwoch, 8. Juni 2005, 18.30 Uhr
Filmvorführung
"Fluss des geliehenen Lebens. Das Totenfest bei den Ngaju Dayak"
Dr. Jani Kuhnt-Saptodewo, Kuratorin für Insulares Südostasiens, Autorin des Films
Der Titel des zweistündigen Films, "Fluss des geliehenen Lebens", bezeichnet die irdische Existenz in der Sakralsprache
der Ngaju-Dayak. Das menschliche Leben erscheint als sorgenvolle vorübergehende Phase der Vergänglichkeit. Der Tod
wird deshalb nicht als tragisches Ereignis empfunden, sondern verspricht Zugang zu einem ewig währenden Leben im
Totendorf in der Oberwelt.
Der Film wurde beim ethnographischen Filmfestival 1994 in Rumänien prämiert. In der englischen Fassung "Bury Me Twice"
wurde als bester ethnographischer Film im "Jean Rouche Filmfestival 1995" in Paris nominiert und erhielt 1996 einen "Award
of Excellence" von der American Anthropological Association.
Mittwoch, 15. Juni 2005, 18.30 Uhr
Vortrag
"Auferstanden aus Ruinen
Ergeben sich aus der Flutkatastrophe Chancen für eine friedliche Zukunft Acehs?"
Alex Flor, Watch Indonesia!
Seit 1976 ist Aceh Schauplatz eines bewaffneten Konfliktes um die Unabhängigkeit von Indonesien. Im Mai 2003 wurde
über die Provinz der militärische Ausnahmezustand verhängt. Ausländern war damit fast jeglicher Zugang verwehrt.
Die Flutkatastrophe kostete in Aceh doppelt so viele Todesopfer wie in allen übrigen betroffenen Gebieten zusammen. Wenige Tage
später wurde die Provinz geöffnet und Tausende ausländische Helfer nahmen ihre Arbeit auf. Der Tsunami hat
in Aceh sprichwörtlich alles auf den Kopf gestellt. Ergibt sich hieraus möglicherweise auch die Chance auf eine
friedliche Beilegung des Konfliktes?
Mittwoch, 22. Juni 2005, 18.30 Uhr
Vortrag
Humanitäre Hilfe nach dem Tsunami
Mag. Bernhard Jany, Pressesprecher, Rotes Kreuz
Beinahe im Tagesrhythmus flogen Teams des Roten Kreuzes in die Katastrophenregion. Erste Schwerpunkte ihrer Arbeit: das Auffinden
von verletzten Österreichern in Spitälern, ihr Rücktransport nach Österreich, ihre medizinische und psychologische
Betreuung und auch der Angehörigen von Opfern. Parallel dazu erfolgte die Soforthilfe im internationalen Rotkreuz-Netzwerk:
Trinkwasser, Lebensmittel, Notunterkünfte, Medikamente. Jetzt wird erhoben: Was ist an längerfristiger Hilfe, an
Wiederaufbau, an Entwicklungshilfe nötig, um den betroffenen Menschen wieder ein selbständiges Leben zu ermöglichen?
Der Vortragende berichtet über die einzelnen Stadien und Abläufe im Roten Kreuz: von der Alarmierung des Einsatzstabes
bis zur differenzierten Umsetzung konkreter Hilfsmaßnahmen.

Mexiko in Leoben: Chac Mool-Figur. Maya, Chichen Itzá. Nachklassisch (900-1521)
Samstag, 25. Juni 2005
Exkursion in die Kunsthalle Leoben
Mensch und Kosmos
Präkolumbische Kunst aus Mexiko
Die Kunsthalle Leoben zeigt gemeinsam mit dem Kunsthistorischen Museum Wien mehr als 300 Kunstobjekte aus 40 mittelamerikanischen Museen.
Die einstigen Hochkulturen Mesoamerikas - wie die der Olmeken, Zapoteken, Tolteken, Mayas oder Azteken - hatten eine ganz besondere
Beziehung zu Göttern und dem Universum. Anhand von Stein- und Tonskulpturen höchster künstlerischer Qualität,
kostbarsten Jade- und Goldobjekten sowie einer aufwändigen architektonischen Gestaltung werden die Besucher in die transzendente
Welt dieser Kulturen entführt, in deren Mittelpunkt "der Mensch als die Säule des Kosmos" steht.
Abfahrt 9.00 Uhr (vom Museum für Völkerkunde)
Rückkehr ca. 18.00 Uhr
Kosten:
25 € (Busfahrt, Eintritt, Führung)
30 € (für Nichtmitglieder)
Bitte um Anmeldung bis spätestens 16. Juni 2005 unter Tel. 534 30-212 oder -270 oder v*@ethno-museum.ac.at
Die Exkursion findet nur bei genügend Teilnehmern statt.
Infos zu Vorträgen und Veranstaltungen
*Ethnographische Kabinette
Depotführungen, Atelier- und Objektbesprechungen
Begrenzte Teilnehmerzahl: Bitte um Anmeldung unter Tel. 534 30-212 oder -270 oder v*@ethno-museum.ac.at
Kostenbeitrag:
4 € für Mitglieder des Vereins Freunde der Völkerkunde
6 € für Nichtmitglieder
Treffpunkt: Eingangsbereich des Museums
Vorträge
Freier Eintritt für Vereinsmitglieder
Kostenbeitrag für Nichtmitglieder 4 €
Vortragssaal des Museums für Völkerkunde Wien
Neue Burg, Heldenplatz, Wien 1
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Herausgeber, Eigentümer und Verleger:
Verein "Freunde der Völkerkunde"
Museum für Völkerkunde, Neue Burg, 1010 Wien
freunde@voelkerkunde.at
Tel.: (01) 53430-212 oder -270
Redaktion: Dr. Christian F. Feest
Homepage des Vereins Freunde der Völkerkunde: www.voelkerkunde.at
Homepage des Museums für Völkerkunde, Wien: www.ethno-museum.ac.at