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Verein Freunde der Völkerkunde

Newsletter IV/2006

Inhaltsverzeichnis

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Beiträge:
200. Geburtstag
Südostasien und Österreich
Archiv für Völkerkunde 55
Veröffentlichungen zum Archiv für Völkerkunde
Ethnorätsel

Veranstaltungsprogramm
Infos zu Vorträgen und Veranstaltungen

Impressum
Info zum Telekommunikationsgesetz

Blick in die Rotunde des Leverschen Museums in London, um 1790. Aquarell von Sarah Stone. Ehemals in der Sammlung S. Dillon Ripley.

Blick in die Rotunde des Leverschen Museums in London, um 1790.
Aquarell von Sarah Stone. Ehemals in der Sammlung S. Dillon Ripley.

200. Geburtstag

Geburtstage sind vielfach Glückssache. Das Museum für Völkerkunde Wien muss seinen 200. im Jahr 2006 weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit feiern. Im Jahr 1806 erwarb Leopold von Fichtel im Auftrag von Kaiser Franz I. bei der Auktion des Leverschen Museums in London einen Teil der Weltreisesammlung von James Cook und legte damit den Grundstock für die “k.k. ethnographische Sammlung” im Wiener Hofnaturalienkabinett. Ein prächtig illustriertes Buch über das Leversche Museum erscheint rechtzeitig zur Wiedereröffnung des Museums im Jahr 2007.

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Südostasien und Österreich

Propagandatafeln mit Motiven von bronzezeitlichen Kesselgongs der Dong Son-Kultur verweisen auf die einheitliche kulturelle Identität aller Vietnamesen. Das von Christian Schicklgruber, dem Leiter der Sammlung Süd- und Südostasien und Himalayaländer, stammende Foto verweist auf das anhaltende Forschungsinteresse des Museums für Völkerkunde in dieser Region.

Propagandatafeln mit Motiven von bronzezeitlichen Kesselgongs der Dong Son-Kultur verweisen auf die einheitliche kulturelle Identität aller Vietnamesen. Das von Christian Schicklgruber, dem Leiter der Sammlung Süd- und Südostasien und Himalayaländer, stammende Foto verweist auf das anhaltende Forschungsinteresse des Museums für Völkerkunde in dieser Region.

Vom 2. bis 4. November 2006 veranstaltet das Museum für Völkerkunde Wien gemeinsam mit dem Südostasiatischen Kulturverein eine wissenschaftshistorische Tagung zu den österreichischen Beiträgen zur Erforschung des kontinentalen Südostasien auf den Gebieten der Ethnologie, Geographie, Sprachwissenschaft, Geschichte und Kunstgeschichte. Was vielen unbekannt sein dürfte: selbst der Begriff “Südostasien” wurde vom österreichischen Forscher Robert Heine-Geldern in die Wissenschaft eingeführt.

Die Reihe der illustren Wissenschaftler, deren Wirken bei der Tagung ins rechte Licht gerückt wird, reicht von Franz Heger, dem Leiter der anthropologisch-ethnographischen Abteilung des Naturhistorischen Museums (aus dem das Museum für Völkerkunde hervorgangen ist), dessen grundlegendes Werk zu den südostasiatischen Kesselgongs bis heute auch in Vietnam und China als Grundlage der Forschung angesehen wird, über den fast vergessenen Robert Schuchard, den Begründer der Erforschung von Pidgin- und Creole-Sprachen, zu Hugo Adolf Bernatzik und seinen ethnographischen Forschungen in Thailand. Die beiden Mitglieder des Missionsordens S.V.D., Pater Wilhelm Schmidt und Pater Paul Schebesta, haben von St. Gabriel bei Mödling aus entscheidend zur Erforschung der Sprachen, bzw. zur Kenntnis der kleinwüchsigen Bevölkerungen der Region (Semang, Senoi) beigetragen. Neuere Forschungsansätze betreffen Migration und Demographie. Natürlich sind auch die Sammlungsbestände des Museums für Völkerkunde Wien selbst ein Spiegel der Forschungsgeschichte und des österreichischen Anteils an ihr.

Zu den Sprechern der Tagung zählen Pacchira Chindaritha, Christian Feest, Bernhard Hurch, Karl Husa, Michael Kien, Thomas Kolnberger, Helmut Lukas, Reinhard Maurer, Fritz Neuhauser, William Southworth und Alexander Trupp. Die Vorträge (alle in englischer Sprache) finden am 3. und 4. November, jeweils von 10.30 bis 17.30 Uhr, im Medienraum des Kunsthistorischen Museums statt. Die Tagungsgebühr (die auch die Eröffnung am 2. November um 17.15 Uhr im Bassano-Saal des Kunsthistorischen Museums umfasst, beträgt 45 € (25€ für Studierende); Tageskarten sind ebenfalls erhältlich. Weitere Informationen und Anmeldeformulare gibt es unter http://homepage.univie.ac.at/helmut.lukas/workshop06.htm

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Archiv für Völkerkunde 55

Soeben erschien Band 55 der vom Verein “Freunde der Völkerkunde” herausgegebenen Zeitschrift Archiv für Völkerkunde. Er enthält eine umfangreiche Beschreibung der traditionellen Kleidung der Sahara-Tuareg von Franz Trost; die merkwürdige Geschichte des Steins von Oure (Burkina Faso) von Klaus-Jochen Krüger, der die Verwandlung eines Kultobjekts in einen Kunstgegenstand und seine Irrwege zwischen Afrika und Europa beschreibt; Aufsätze von Silvia Forni über die bemalten Tonfiguren aus dem Kameruner Grasland und von Hasso Hohmann über Malereien auf den Hauswänden der peruanischen Fundstätte Revash, sowie Beschreibungen tibetischer Ritualkarten und von Werken der Khmer-Kunst aus den Beständen des Museums für Völkerkunde von Uwe Niebuhr und Veronika Wolf.

Für Mitglieder des Vereins “Freunde der Völkerkunde” ist der reich und z.T. in Farbe illustrierte Band für 15 € erhältlich. Bestellungen unter (01) 53430-212 oder - 270 bzw. info@ethno-museum.ac.at

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Veröffentlichungen zum Archiv für Völkerkunde

Entmachtete Gegenstände? Piaroa mit redyo-Maske in Pendare am Río Parguaza. Foto: Claudia Augustat, 2000

Entmachtete Gegenstände?
Piaroa mit redyo-Maske in Pendare am Río Parguaza.
Foto: Claudia Augustat, 2000

Bereits im September erschien Band 12 der Reihe „Veröffentlichungen zum Archiv für Völkerkunde“, die im Frühjahr mit dem Band Getanzte Geschichte von Sri Kuhnt-Saptodewo erfolgreich wiederbelebt wurde. Auch diesmal ist es eine echte hauseigene Produktion, da die Autorin Claudia Augustat zugleich Leiterin der Sammlung Südamerika des Museums für Völkerkunde ist. Die zum Teil auf eigenen Feldforschungen beruhende Arbeit trägt den Titel Entmachtete Gegenstände? Zur Kommerzialisierung sakraler Masken bei den Piaroa in Venezuela.

Zum Inhalt: Die Kommerzialisierung sakraler Gegenstände spiegelt scheinbar das Bild einer indigenen Kultur wider, die – korrumpiert durch den Einfluss der westlichen Welt, der Missionierung, des Tourismus und ihrem Begehren nach Industriegütern – symbolische Kernstücke ihrer Kultur veräußert. Am Beispiel der Piaroa wird gezeigt, dass die Transformation ihrer sakralen Tanzmasken in eine Ware nicht zwangsläufig durch einen Bedeutungsverlust gekennzeichnet ist, sondern auch durch ein Abwägen zwischen traditionellen und neuen Überlebensstrategien. Vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Entwicklungen der letzten 35 Jahre wird der Verlauf der Transformation beleuchtet und damit die Vielschichtigkeit dieses Prozesses veranschaulicht.

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Ethnorätsel

Auflösung in der nächsten Ausgabe

Auflösung in der nächsten Ausgabe

„Ich sehe etwas ..., etwas wie ..., es ist dunkel, aber ich sehe etwas, das aussieht wie ein Pfauenschwanz ... aber zur gleichen Zeit ist es, als sei alles in Bewegung, wie ein Feuerwerk.[...] Wenn ich meine Augen ganz weit öffne, sehe ich die Maloca, die Dunkelheit, die Menschen. Aber wenn ich meine Augen halb schließe, dann sehe ich wieder die Bilder. Manchmal sind sie wie Mikrofotografien von Schmetterlingsflügeln oder von Meereskorallen. Manchmal sind die Farben gar nicht...gar nicht schön. [...] Nein, jetzt sehe ich nichts mehr. Aber ich fühle mich gut. Es ist etwa ein Uhr nachts. Ich habe sechs Schalen mit Yagé getrunken: Puls 84, leichte Kopfschmerzen. Nach der vierten Schale musste ich mich heftig übergeben und nach der fünften hatte ich Durchfall. Aber ansonsten bin ich in Ordnung. Ein bitterer Geschmack im Mund, nicht mehr. [Zwei Minuten verstreichen] Jetzt sehe ich wieder Dinge.“

So beschreibt der gesuchte Ethnologe seine Erfahrungen mit der halluzinogenen Droge Yagé im kolumbianischen Regenwald. Aus Sicht der Indianer überschritt er die Grenze zwischen der real wahrnehmbaren Welt und der Welt der Geistwesen und erlebte am eigenen Leib etwas, das zu einem seiner zentralen Forschungsschwerpunkte werden sollte: der Einfluss halluzinogener Drogen auf die visuellen Ausdrucksformen einer Gesellschaft.

Es scheint, als sei es ihm schon immer leicht gefallen, Grenzen zu überschreiten. Geboren am 6. März 1912 in Salzburg hielt es ihn nicht lange in Österreich. Nachdem er seine Schulbildung bei den Benediktinern in Kremsmünster abgeschlossen hatte, ging er 1934 nach Deutschland und graduierte an der Akademie der bildenden Künste in München.

Über Paris, wo er unter anderem bei Marcel Mauss und André Sigfried studierte, führte ihn sein Weg 1939 nach Kolumbien. Hier fand er eine neue Heimat: 1942 wurde er kolumbianischer Staatsbürger und ein Jahr später heiratete er seine kolumbianische Frau, die auch beruflich eng mit ihm zusammenarbeitete.

Auch wissenschaftlich überschritt er immer wieder die akademische Grenze zwischen Archäologie, Ethnohistorie, Ethnologie und Sozialanthropologie. Ausgedehnte Reisen, Ausgrabungen und Feldaufenthalte lieferten das Material für zahlreiche Publikationen, die zu den Standardwerken kolumbianischer Kulturgeschichte gehören. 1964 legte er mit der Gründung des Departamento de Antropología an der Universidad de los Andes in Bogotá den Grundstein für eine eigenständige kolumbianische Ethnologie. Gelehrt hat er darüber hinaus auch in den USA und Japan. Eine seiner wichtigsten Arbeiten ist zugleich methodisch die umstrittenste, beruht sie doch ausschließlich auf Interviews mit nur einem einzigen indianischen Informanten, die noch dazu im städtischen Milieu der Hauptstadt Bogotá durchgeführt wurden, wo er 1994 verstarb.

Wer war nun der unermüdliche Grenzgänger, der nach eigenen Aussagen alle Bücher und Zeitschriften, die in seiner privaten Bibliothek standen auch tatsächlich gelesen hat?
Auflösung in der nächsten Ausgabe. Richtige Einsendungen werden nicht prämiert.

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Vorträge und Veranstaltungen

Musikgruppe in Benishangul. Foto: Timkehet Teffera

Musikgruppe in Benishangul. Foto: Timkehet Teffera

Mittwoch, 4. Oktober 2006, 18.30 Uhr
Vortrag
Musiklandschaften in Äthiopien:
Überblick über traditionelle Musik und Musikinstrumente und moderne Trends

Dr. Timkehet Teffera, Musikethnologin, Berlin

Äthiopien (auch Abyssinien, Ityopia oder Habashat genannt) ein Land im Osten Afrikas, besitzt eine lange Geschichte, die bis in die vorchristliche Zeit zurückverfolgt werden kann. Die mehr als 80 verschiedenen Völkerschaften lassen sich durch ihre kulturellen, sprachlichen und soziologischen Merkmale voneinander unterscheiden und auch in der musikkulturellen Landschaft ist eine große Vielfalt zu beobachten.

Es ist zwar unmöglich, die unterschiedlich reflektierten musikalischen Traditionen der faszinierenden Volksgruppen Äthiopiens in kurzer Zeit ausführlich zu erläutern, dennoch wird in dem Vortrag der Versuch unternommen, einen Gesamtüberblick über verschiedene Aspekte wie beispielsweise historische und soziokulturelle Evolutionen des Landes und der Menschen wiederzugeben, wobei das Thema "Musik und Musikinstrumente" im Mittelpunkt stehen wird.

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Kinder in Chidkul. Foto: Margit Wagner, 2005

Kinder in Chidkul. Foto: Margit Wagner, 2005

Mittwoch, 18. Oktober 2006, 18.30 Uhr
Multimediale Bilder-Reise
Spiti und Ladakh:
Land der Wolkenmenschen und der Himmelsburgen

Mag. Margit Wagner, Wien

Eine Reise durch den nordindischen Himalaya entlang der tibetischen Grenze ist einfach atemberaubend: die grandiose, monochrome Bergwelt, abweisend, kalt und menschenleer, nur hie und da unterbrochen von silbrig schimmernden Flussläufen und vereinzelten grünen Gerstenfeldern. Dazu im krassen Gegensatz die warmen Farben und der Figurenreichtum der über 1000 Jahre alten Klöster, die Himmelsburgen gleich, der feindlichen Außenwelt trotzen. Eine karge, herbe und zugleich überwältigend schöne Landschaft, die den Begründern der tibetischen Kultur die inspirierende Umgebung bot, ihrer Suche nach Wahrheit, Ruhe und Frieden nachzugehen.

Im Juni 2005 ist Frau Wagner drei Wochen lang der alten Hindustan-Tibet-Karawanenroute folgend durch das Hochtal von Spiti und weiter über die höchsten befahrbaren Pässe der Welt nach Ladakh gereist, um Land und Leute in ihren traditionellen Kulturen zu porträtieren. Der Besuch der einzigartigen Klöster von Tabo und Alchi stand ebenso auf dem Programm, wie das Klosterfest in Hemis und der Besuch bei Ladakhs berühmtestem Orakel, Ayu Lhamo.

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Cham-Heiligtum Polkong Garai. Foto: Claudia Augustat, 1995

Cham-Heiligtum Polkong Garai. Foto: Claudia Augustat, 1995

Dienstag, 7. November 2006, 18.30 Uhr
Vortrag
Kauthara and Panduranga:
The Southern States of Champa in Central Vietnam

Dr. William A. Southworth, Universität Bonn

This talk will examine some of the archaeological and art historical remains associated with the former kingdoms of Kauthara and Panduranga, located on the south-central coastline of present Vietnam in the historic Champa culture region. Both kingdoms are first recorded in Chinese historical sources from the late eighth century A.D., and a series of inscriptions in the Sanskrit and Cham languages also survived from this period.

The kingdom of Kauthara was based on the modern port town of Nha Trang, where a major temple dedicated to the goddess is still in use today. The temple buildings are constructed in brick and adorned with sandstone sculpture, and can be dated in origin from at least the eighth century, although all the surviving structures have undergone major renovation and rebuilding since that time.

The kingdom of Panduranga was situated on the seacoast to the south of Nha Trang, near the modern town of Phan Rang, and continued as a separate political entity until the early nineteenth century. Three important temple groups have survived here, and can be dated from the ninth to seventeenth centuries. This area is still home to the largest Cham ethnic community on the central coastline, who continues to use the temples for worship and preserves the memory of earlier shrines and village communities. The Phan Rang area is nevertheless the driest region in Vietnam, with very low rainfall, and very few prehistoric or early historic remains have ever been found here. During field research in 2004, however, epigraphic evidence was found to connect the political emergence of this region during the late eighth century to Nha Trang, and suggested that early temple sites were linked to an artificial canal system designed to increase the distribution of water and aid agricultural production.

The talk will be illustrated by photographs taken during field research sponsored by the British Academy in 2004.

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Audienz beim König von Benin, April 2006. Foto: Wilfried Seipel, 2006

Audienz beim König von Benin, April 2006. Foto: Wilfried Seipel, 2006

Dienstag, 14. November 2006, 18.30 Uhr
Vortrag und Mitgliederversammlung des Vereins Freunde der Völkerkunde
Benin. Bilder einer Ausstellung

Dr. Barbara Plankensteiner, Kuratorin für Afrika südlich der Sahara, Museum für Völkerkunde Wien

Das renovierte Museum für Völkerkunde wird im Mai 2007 mit einer internationalen Benin-Ausstellung eröffnen. Diese Ausstellung zur Kunst und Kultur des westafrikanischen Königtums wird zum ersten Mal bedeutende Benin-Kunstwerke aus den wichtigsten Museumssammlungen weltweit in einer Schau präsentieren. Der Vortrag stellt das Konzept der Ausstellung vor und gibt einen Einblick in den Stand der Vorbereitungen.

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Anbetung von Olókun – Òrìshà der Ozeane, Chaguaramas, Trinidad. Foto: Marc Cropper, Patric Kment 2002

Anbetung von Olókun – Òrìshà der Ozeane, Chaguaramas, Trinidad. Foto: Marc Cropper, Patric Kment 2002

Mittwoch, 22. November 2006, 18.30 Uhr
Vortrag mit Musik-Performance
Der Tanz der Götter mit den Menschen: Die Rituale der Òrìshà-Religion Trinidads
Dr. Patric Kment, Kulturanthropologe, Wien

Der Vortrag gibt Einblicke in eine afro-amerikanische Lebensanschauung, die sich auch als Resultat einer gelebten und im wahrsten Sinne "verkörperten" Geschichte voller Widersprüche präsentiert: als Summe der fast 500-jährigen kollektiven Erfahrung von Menschen afrikanischer Herkunft in der neuweltlichen Diaspora. Die Geschichte der ursprünglich westafrikanischen Òrìshà-Religion der Yoruba auf Trinidad ist eine Geschichte der Transformationen: Òrìshà ist in seiner gegenwärtigen Form nicht nur das Resultat von Unterdrückung und christlicher Missionierung; Òrìshà wird ebenso als der kreative Versuch einer autonomen Wiedervergesellschaftung von afrikanischen Ethnien in der Diaspora verstanden.

Im Zentrum der Religion stehen die Òrìshàs, die sowohl als personifizierte Naturprinzipien als auch als vergöttlichte Ahnen betrachtet werden können. Innerhalb eines von afrikanischer Philosophie durchdrungenen Raum- und Zeitgefüges stellen sich die Òrìshàs so den Menschen als Vermittler zwischen ihnen und ihres Schöpfergottes dar. Jeder Òrìshà ist aufgrund seines Wesens und seiner Fähigkeiten mit verschiedenen Aufgaben betraut und wird durch einen bestimmten Tanz, Gesang und einen genau festgelegten Trommelrhythmus charakterisiert. Die Trommel ist das wichtigste rituelle Verbindungselement zwischen Menschen und Göttern. Deshalb stellt die rituelle wie profane Verwendung der Trommeln bis heute eines der signifikantesten Merkmale afro-amerikanischer religiöser Ausdrucksform dar. Die Kraft und Intensität der Trommeln vermögen dabei jeden Menschen auf einer zutiefst verinnerlichten Gefühls- und Bewußtseinsebene anzusprechen.

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Federkopfschmuck, Osterinseln, 1886. Museum für Völkerkunde Wien, Inv.Nr. 22.871. Foto: Gerhard Vesely

Federkopfschmuck, Osterinseln, 1886. Museum für Völkerkunde Wien, Inv.Nr. 22.871. Foto: Gerhard Vesely

Mittwoch, 6. Dezember 2006, 18.00 Uhr
Ethnographisches Kabinett*
Die Osterinsel. Mythen, Wahrheiten und kostbare Gegenstände

Dr. Gabriele Weiss, Kuratorin für Ozeanien und Australien, Museum für Völkerkunde Wien

Angelhaken, Speerspitzen, Federhüte, Schrifttafeln, Götter- und Ahnenfiguren aus Holz und Stein erzählen vom kulturellen Reichtum der kleinen und geographisch isolierten Osterinsel im südöstlichen Polynesien. Viele Fragen um die Herkunft der Bewohner, um die Produktion der riesigen Steinbüsten, um die Bedeutung des Vogelmannkultes und der rätselhaften Schriftzeichen konnten durch interdisziplinäre Forschungen bereits weitgehend geklärt werden.

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Infos zu Vorträgen und Veranstaltungen

*Ethnographische Kabinette
Depotführungen, Atelier- und Objektbesprechungen
Begrenzte Teilnehmerzahl
Bitte um Anmeldung unter Tel. 534 30-212 oder -270 oder info@ethno-museum.ac.at

Kostenbeitrag:
4 € für Mitglieder des Vereins Freunde der Völkerkunde
6 € für Nichtmitglieder
Treffpunkt: Eingangsbereich des Museums

Vorträge, Film und Club V*
Freier Eintritt für Vereinsmitglieder
Kostenbeitrag für Nichtmitglieder 4 €
Seminarraum des Museums für Völkerkunde Wien
(wenn nicht anders angegeben)
Neue Burg, Heldenplatz, Wien 1

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Impressum

Herausgeber, Eigentümer und Verleger:
Verein "Freunde der Völkerkunde"
Museum für Völkerkunde, Neue Burg, 1010 Wien
freunde@voelkerkunde.at
Tel.: (01) 53430-212 oder -270
Redaktion: Dr. Christian F. Feest und Dr. Claudia Augustat

Homepage des Vereins Freunde der Völkerkunde: www.voelkerkunde.at
Homepage des Museums für Völkerkunde, Wien: www.ethno-museum.ac.at

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Info zum Telekommunikationsgesetz

Seit 1. März 2006 gelten neue Bedingungen für die Zusendung elektronischer Informationen (Änderung des § 107 Telekommunikationsgesetz). Darin geht es vor allem um die Eindämmung der Spam-Flut, die uns immer noch mehr überschwemmt.
Die Novelle sieht vor, dass die Zusendung von E-Mails, Faxnachrichten, Telefonanrufen und SMS ohne vorherige Einwilligung des Empfängers (egal ob Privatperson oder Unternehmen) unzulässig ist, wenn diese zu Werbezwecken erfolgt oder auch ohne Werbezweck an mehr als 50 Empfänger gerichtet ist.
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Vielen Dank für Ihre Mithilfe.
Verein "Freunde der Völkerkunde"

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